»Wenn wir denken, wie wir immer denken, erreichen wir das, was wir immer schon erreicht haben.«
Anführer und Anhänger - Was gute Führung ausmacht!
Wollen wir wissen, was gute Führung ausmacht und wo die Fallstricke liegen, sollten wir
einfach einmal einen Blick auf unsere evolutionäre Vergangenheit wagen.
Unterteilt man Menschen zufällig in Gruppen, kristallisieren sich in kürzester Zeit Anführer
und Anhänger heraus. Kein Wunder, schließlich haben wir in über 160.000 Jahre
Menschheitsgeschichte gelernt, dass ein Gruppe mit einem Anführer einfach besser
abschneidet als ohne. Das instinktive Führer-Gefolge-Verhalten ist tief in uns verwurzelt.
Trotzdem läuft das Verhältnis zwischen Angestellten und ihrem Chef heute selten
reibungslos ab. 60 bis 70 Prozent der Angestellten beklagen, dass der stressbeladenste
Aspekt ihres Jobs ihr unmittelbarer Chef ist. Wo liegt also das Problem?
Die heutige Unternehmensführung hat in den vergangenen Jahrzehnten die Evolutionsgeschichte
menschlicher Gruppendynamik vernachlässigt. Erfolgreiche Unternehmen haben
dagegen gezeigt, dass große Organisationen am besten arbeiten, wenn sie in Gruppen von
etwa 50 Mitarbeitern mit ihren direkten Vorgesetzten unterteilt sind. Anführer können dort
gefahrlos kritisiert werden, ähnlich der „Freien Sprache in der Wikipedia-Gemeinschaft“.
Anführer müssen sich durch ihr spezielles Wissen und Können erst bewähren, und
Führerschaft ergibt sich deshalb allein aus der Legitimation durch das Gefolge und nicht
durch den Personalrat.
Der Kitt für erfolgreiche Organisationen sind demnach überschaubare Gruppen ähnlich der
früheren Jäger-Sammler-Gruppen mit ungehindertem Wissensaustausch, gemeinsamem
Engagement und sozialer Anerkennung. Ein guter Anführer vermittelt also seinen
Mitarbeitern das Gefühl einer intimen Jäger-Sammler-Zusammengehörigkeit, fast so, als
wäre man miteinander verwandt.
Nun stellt sich noch die Frage, warum nicht jeder den Steuerknüppel in der Hand halten
möchte, schließlich hat der Anführer etliche Privilegien.
Es gibt regelrechte Führungspersönlichkeiten, die sich einfach besser als andere für die
Alphaposition eignen. Neue Studien zeigen, dass dieser Umstand sich nicht auf genetische
Faktoren, sondern in erster Linie auf die soziale Umgebung der frühen Lebensjahre
zurückführen lassen. Gute Chancen auf einen Platz an der Spitze haben Menschen, die bereit
sind, Risiken einzugehen, Durchsetzungskraft und Eigeninitiative haben. Doch allein mit
„Rambomentalität“ kommt man nicht weiter, sondern mit sozialer Kompetenz. „Ein guter
Anführer muss wissen, was seine Anhänger wollen, wie sie es wollen und was sie davon
abhält, dies zu bekommen.“



