» Wir sollten den Körper in den Mittelpunkt sozialer Interaktion rücken. «
Der soziale Körper - Consensus corpus
Einleitung: Soziales Umfeld und Körper
Der Körper ist zwar Teil der Natur und als solcher ihren Gesetzen unterworfen - er wird geboren, muss ernährt werden und schlafen, er altert und stirbt -, doch unterscheidet sich die Art und Weise, wie diese natürliche Seite des Körpers wahrgenommen und gelebt wird, je nach sozialem Umfeld. Dabei muss der Körper in zweierlei Hinsicht betrachtet werden: Zum einen als Produkt, zum anderen als Produzent von sozialem Umfeld.
Der menschliche Körper ist insofern ein Produkt von dem sozialen Umfeld, als die Umgangsweisen mit dem Körper, das Spüren des Körpers von sozialen Strukturen, Werten und Normen geprägt sind.
Produzent von sozialem Umfeld ist der menschliche Körper dergestalt, dass soziales Zusammenleben und soziale Ordnung entscheidend von sozial handelnden Individuen beeinflusst wird. Die biologische Geschlechtsrolle muss nicht der sozialen Geschlechtsrolle entsprechen. Das „soziale Geschlecht“ wird fortwährend durch konsensuelle Prozesse innerhalb der sozialen Gemeinschaft produziert und bestätigt.
Die Soziologie des Körpers untersucht die Prozesse, in denen der Körper zum Produkt und Produzenten von sozialem Umfeld wird. Sie beschäftigt sich also mit der wechselseitigen Durchdringung von Körper und sozialem Umfeld.
Methodische Überlegungen zum Körper
Als zentrales Problem, das mit dem Körper als Forschungsobjekt einhergeht, ist dessen „Sprachlosigkeit“. Einerseits mangelt es uns an sprachlichen Mitteln, um in differenzierter Weise über körperliche Erlebnisse, körperlich spürbare Gefühle oder körperliche Bedürfnisse und Empfindungen zu sprechen. Andererseits resultiert die Sprachlosigkeit des Körpers auch aus der Nähe, die jeder Mensch zu seinem Körper hat. Nichts ist uns so nah, wie unser eigener Körper. Was immer wir tun, wo immer wir uns befinden, wie sehr wir uns womöglich wünschen, dass es anders wäre - der eigene Körper ist immer da. Aufgrund seiner Allgegenwärtigkeit ist der Körper etwas Selbstverständliches, und nichts scheint schwieriger zu sein, als über das Selbstverständliche zu sprechen. Um über etwas sprechen zu können, muss man eine distanzierte Position einnehmen. Zum eigenen Körper fehlt jedoch den meisten von uns im Alltagsleben die reflexive Distanz.
Wir nehmen unseren Körper in der Regel nur dann bewusst wahr, wenn er uns spürbar als Widerstand entgegentritt, vor allem bei Krankheit und Schmerzerfahrungen. Wer gesund ist, nimmt sich selbst körperlich kaum wahr. Weil uns unser Körper so nah ist, ist er so fern. Oder in den Worten des Philosophen Herbert Plügge: „Ich bin als Gesunder im alltäglichen Tun und Lassen gar nicht bei mir. Ich bin im Geplanten und Gewollten.“
Spurensuche
Der menschliche Körper betritt die soziale Bühne zuerst im Sinne des biologischen Organismus. Die unterste Stufe der biologischen Systembildung stellen physikalisch-chemische Systeme dar. So zum Beispiel chemische Stoffe, die unsere Emotionen auslösen, wie Dopamin und Serotonin, um nur zwei Stoffe zu nennen. Dopamin spielt als „Motivator“ eine große Rolle bei der Regulierung des Hormonhaushaltes und steht im engen Zusammenhang mit Psychosen und anderen Störungen; so ist etwa nachgewiesen, dass zum Beispiel für ADS/ADHS sowie für die Erkrankung an Parkinson ein Mangel an Dopamin verantwortlich ist. Serotonin ist der „Vermittler“ und reguliert den Blutdruck, den Schlaf- und Wachrhythmus und sorgt für Ausgleich bei Druck (Stress). So vermittelt ein erhöhter Serotonin-Spiegel bei Verliebten Zufriedenheit und Wohlbefinden. Ein verminderter Serotonin-Spiegel dagegen führt zum Beispiel zu Migräne. Die Qualität aller Gefühle und Erregungen werden neurochemisch gesteuert, doch die „antreibenden Dopamin-Moleküle“ und die „ausgleichenden Serotonin-Moleküle“ werden nicht von sich aus aktiv. Sie müssen auf die Reise von einer Nervenzelle zur anderen geschickt werden. Sie übermitteln zwar Bedeutungen und lösen bei Ihrer Ankunft Bedeutungen aus - aber sie handeln nicht selber. Kein chemischer Stoff in uns kann erklären, warum wir leben. Über dem physikalisch-chemischen System (Funktionssystem) bauen sich letztlich Handlungssysteme auf. Organismen müssen sich an ihre Umwelt anpassen, um zu überleben. Die individuelle Aneignung der Umwelt erfolgt über sinnliche Erfahrungen und dem daraus resultierenden konsensuellen Handeln.
Die Neurologen zeigen phantastische Einsichten in die physikalischen und biochemischen Vorgänge in unserem Gehirn. Der Mechanismus, der Bewusstsein und damit soziales Verhalten erzeugt, ist noch lange nicht entschlüsselt.
„Wenn zwei Lebewesen über längere Zeit hinweg interagieren, sich also gegenseitig zu Strukturänderungen anregen, parallelisieren sich ihre Strukturen und vor allem ihre Nerven-systeme. Die dabei ausgebildeten Gemeinsamkeiten sind konsensuelle Bereiche. Dieser Prozess endet, wenn es zu Strukturveränderungen kommt, die den konsensuellen Bereich überschreiten und so keinen Anschluss ermöglichen“ (H. Maturana, 1982: Die Organisation und Verkörperung von Wirklichkeit).
Konsens bedeutet demnach Übereinstimmung von Lebewesen hinsichtlich einer interagierenden Thematik. Das bedeutet jedoch noch nicht gleichzeitig eine Zufriedenheit der Beteiligten mit den Strukturänderungen. Fehlende Aufrichtigkeit gegenüber dem Anderen, Aufgabe der eigenen Meinung im Nutzen oder Zweck des Anderen, Verzicht der eigenen Meinung, um den Anderen nicht zu behindern, Ablehnung einer Alternative usw. sind ebenfalls konsensuelle Verhaltensbereiche, die aber den eigenen Lebensstrukturen gegenläufig sind und im Laufe der Zeit zu tiefgreifenden psychischen und physischen Störungen führen. Konsens heißt demnach Zustimmung trotz bestehender Hindernisse!
Im Konsens bzw. in der Zustimmung gegenüber den Anderen trotz eigener Vorbehalte sind wir in starker Emotionalität zum Anderen. Emotionen gibt es in der Regel nicht „an sich“, sondern am Anderen. Emotionen, wie Angst, Wut, Traurigkeit, Liebe und viele mehr ist ein Ausdruck eines „Mitgefühl mit dem Anderen“. Erst wenn wir unser „Mitgefühl mit uns selbst“ gewinnen, können wir unsere emotionalen Denkschematas gegenüber dem sozialen Umfeld erweitern.
Die biologische Geschlechtsrolle muss nicht der sozialen Geschlechtsrolle entsprechen. „Die Frau arbeitet wie ein Mann“ zeigt, dass das „soziale Geschlecht“ durch konsensuelle Handlungen im Alltag zwischen den Partnern oder in der Familie geschaffen wird.
Die zunehmend funktionale Differenzierung der Gesellschaft in eine Vielzahl von Arbeitsbereichen führte für den Einzelnen dazu, das eigene Verhalten immer differenzierter, immer gleichmäßiger und stabiler zu regulieren, sich planender, vorausschauender und kontrollierter verhalten zu müssen. Gleicher Wortlaut gilt auch für die Entwicklung vom Einzeller zum Mehrzeller. Die funktionale Differenzierung unseres Körpers in eine Vielzahl von organischen Arbeitsbereichen führte dazu, die Handlungen der einzelnen Organe gleichmäßiger und stabiler zu regulieren - mit Hilfe von Botenstoffen, wie Dopamin oder Serotonin.
Der Körper und seine Organfunktionen sind somit verkörperte Schnittpunkte von Differenzierungen, Denkschematas und Wissensformen gegenüber dem sozialen Umfeld. Funktionale Gestaltungs-Stoffe setzen handelnde Gestaltungs-Kräfte voraus. Körper und soziales Umfeld korrespondieren fortlaufend miteinander und gestalten sich in Abhängigkeit zueinander selbst.
Der ständige Austausch zwischen sozialem Umfeld und psychischen Körper führte in der Evolution dazu, dass sich das soziale Umfeld in den Körper und der physische Körper sich in das soziale Umfeld „einschreibt“.
Vor etwa drei Millionen Jahre setzte sich in der Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte des Menschen (Homo sapiens) ein spektakulärer Prozess durch, der bis heute Rätsel aufgibt. In einer vergleichsweise kurzen Zeit verdreifachte sich bei den Primaten die Größe ihres Gehirns. Hatten die Homo habilis schon 400 bis 500 g Gramm Gehirnmasse, besitzt der moderne Mensch Homo sapiens, der vor etwa 400.000 Jahren hervortrat, ein Gehirn von durchschnittlich 1500 Gramm.
Ein so schnelles Gehirnwachstum als Folge von veränderten Umweltbedingungen ist keineswegs normal. Das Gehirn wuchs schneller als der Körper. Doch die Hochleistungsgehirne brachten über Hunderttausende von Jahren kaum mehr als einen notdürftigen Faustkeil als Kulturleistung hervor. Noch die Werkzeuge der Neandertaler, die vor gerade mal 40.000 Jahren ausstarben, waren schlicht und wenig ausgefeilt. Offensichtlich hatte das Gehirn weitgehend andere Funktionen zu erfüllen als technischen Fortschritt.
Ganz offensichtlich hat der Mensch den größten Teil seiner Intelligenz nicht für simples Hantieren mit Steinen und Ästen benötigt, sondern für das komplizierte Sozialleben, das sich bei den Primaten entwickelte und sich in die Gehirnmasse einschrieb. Auch für den modernen Menschen sind seine Artgenossen die größte Herausforderung im Alltag!
Unsere Gehirne hatten und haben bis heute nicht die Aufgabe, ob im Regenwald, in der Savanne oder in der Großstadt, die objektive Erkenntnis der Welt zu schaffen, sondern konsensuelle Handlungen innerhalb sozialer Gruppen zu schaffen. Damit ist unser Körper Objekt sozialer Strukturen und gleichzeitig Subjekt sozialem Handelns (Consensus Corpus)
So finden wir in der Entwicklung unserer Gehirnmasse eine Verkörperung sozialen Handelns. Noch deutlicher ausgedrückt: Der Körper ist Produkt und gleichzeitig auch Produzent sozialer Strukturen. Krankheiten sind in diesem Sinne als Produkt sozialer Störungen im Umfeld des Körpers zu verstehen und beruhen auf konsensuellen Lebenshandlungen, die wir selbst innerhalb sozialer Gruppen (Familie) initiieren, aber unserem ureigenen Lebens-entwurf gegenläufig sind.
Körper und soziale Gesellschaft sind getrennt und funktionieren selbstbezüglich, zugleich aber hinterlässt sowohl das soziale Umfeld „Spuren im Körper“ wie umgekehrt der Körper „Spuren in seinem sozialem Umfeld“ hinterlässt. Ein natürlich körperliches Verhalten gab es am Anfang der Evolution nicht. Jede körperliche Aktivität ist durch Anpassung an die Umwelt und dem sozialen Umfeld geprägt.
Am „sozialen Körper“ interessiert uns nicht, was der Körper ist, sondern wie er tut, was er tut - wie er sozial wahrgenommen wird und sich selbst dabei in der sozialen Interaktion bewertet. Dieses Wie verweist auf die Gestaltungskraft, die soziale Interaktion seit Millionen von Jahren hat.
Gesellschaft unter der Haut
Die vorgestellte Spurensuche zeigt, wie langandauernde Entwicklungen ihre Spuren am Körper hinterlassen, wie sich das soziale Leben in den Körper einschreibt, wie er soziale und ökonomische Handlungen hervorbringt und wie er als Ort spürbarer Erfahrungen „Gesellschaft unter der Haut“ erlebt.
Dabei sollten wir uns in der Betrachtung des Körpers nicht damit begnügen, das wechselseitige Verhältnis von Körper und sozialem Umfeld analytisch getrennt zu behandeln und den Körper mal als Produkt und mal als Produzent gesellschaftlicher Strukturen zu sehen. Vielmehr richten wir unseren Blick darauf, wie der Körper als Gelenk fungiert, das soziale Struktur und menschliche Handlungen verbindet - wie der Körper soziale Interaktion verkörpert.
Wann jemand wie, wo und warum zum Beispiel ein Enge- oder Weitegefühl in seinem Körper spürt, ist in der Struktur des Leibes nicht angelegt. Ob eine empfundene Weite die Bedeutung Entspannung, Trance, Einssein mit der Natur oder mit Geistern hat, variiert nach dem sozialen Umfeld, in dem der Mensch mit seinem Körper steht und sein Gefühl empfindet und bedeutungsvoll darüber nachdenkt.
Die Empfindlichkeit und deren Bedeutungen gegenüber den sozialen Anfangsbedingungen führen zu noetischen Abweichungsmustern und im Laufe der Zeit zu tiefgreifenden psychischen und physischen Veränderungen.
Ein Beispiel dazu: Die Aussage selbst und die Art und Weise, wie der Vater zu seinem damals 19-jährigen Sohn, als dieser seinen ablehnenden Bescheid von der Bundeswehr bekam, behauptete „Du bist schwul“, traf den Sohn tief in seinem Inneren. Im Laufe der Zeit bekam der heute 38-jährige Familienvater ein chronisches Erschöpfungssyndrom mit einer neurologischen Erkrankung des Schlaf-Wach-Rhythmus, die den langjährigen Versuchungen der Gesundung trotzte. Erst die sinnhafte Verknüpfung des damaligen Ereignisses und den damit verbundenen Empfindungen mit den heutigen Krankheitssymptomen und das nachholen der kritischen Auseinandersetzung mit seinem Vater führte zu einer nachhaltigen Gesundung.
Wie ein Schiff, das ein Grad vom Kurs abweicht, und sich schließlich hunderte von Kilometern vom Kurs wieder findet.
Im „medizinischen Behandeln“ bleibt das soziale Umfeld des Betroffenen gleich. Heilung bedeutet, seinen Glauben und seine damit verbundenen Gefühle über sein soziales Umfeld so zu erweitern, dass er sich von den Symptomen erholt.
Mit Hilfe eines „Kategoriensystem sozialer Interaktion“ sollte es gelingen, die große Vielfalt körperlicher Krankheitssymptome kombinatorisch nachzubuchstabieren (Alphabet des sozialen Körpers).
Kategoriensystem
Unter Kategorien versteht man Grundvoraussetzungen eines Systems, mit dem Prozesse sozialer Interaktion mittels Aussageweisen in die großen Themen von Körper und Krankheit eingeteilt werden.
Kategorie: Körperlich-seelische Funktionsebene - die fünf anatomischen Teilbereichen entsprechen - und ihre grundlegenden Prozesse sozialer Interaktion:
| Das Gerüst des Körpers sorgt für Stabilität und Fortbewegung. Dazu zählen Knochen, Muskeln, Bindegewebe, Gelenke, Sehnen und Bänder. | Empfindlich darüber, ob er den Anderen Rückhalt geben kann, wie er ist und wo er ist, um selbst Rückhalt für seine eigenen Bewegungen zu bekommen. |
| Zum Rhythmus des Körpers gehören der Schädel, das zentrale und periphere Nervensystem mit Gehirn, Rückenmark und die Hirn- und Rückenmarksflüssigkeit. | Empfindlich darüber, ob wir unseren eigenen Rhythmus gegenüber den Anderen leben können, wie wir sind und wo wir sind. |
| Zur Versorgung des Körpers zählen die inneren Organe und das zugehörige Gefäßsystem mit Blut und Lymphe. | Empfindlich darüber, ob er für die Anderen von Nutzen ist, wie er ist und wo er ist, um selbst Versorgung von den Anderen zu erfahren. |
Zur Wahrnehmung des Körpers in seinem sozialen Umfeld dienen ihm seine Sinnesorgane, wie Augen, Ohren, Nase, Mund und Haut. |
Empfindlich darüber, ob er für die Anderen attraktiv ist, wie er ist und wo er ist, um volle Begeisterung von den anderen zu erfahren. |
| Zur Fortpflanzung des Körpers gehören die männlichen und weiblichen Geschlechtsorgane. | Empfindlich darüber, ob er den Anderen Erfüllung geben kann, wie er ist und wo er ist, um selbst Erfüllung zu erfahren. |
Kategorie: Geistig-soziale Handlungsebene - die den großen Krankheitsthemen entsprechen - und ihre grundlegenden Prozesse sozialer Interaktion:
| Infektions-Krankheiten | Im Nutzen des Anderen Viren, Bakterien und Parasiten nutzen als Vagabund oder Bösewicht in ihrem Sinne den Wirt aus. Ein geschwächtes Immunsystem wird zufällig (Ansteckung) oder gezielt ausgenutzt. Schmarotzer oder Sozialfall. Der Wirt hat das Thema der Minderwertigkeit! |
| Psychische Krankheiten | Allein mit mir Im Rhythmus der Elemente. Am Anfang standen die Elemente und unsere Seele. Grenzöffnung oder Abgrenzung! Innere Autonomie, keine soziale Autonomie. Direktes Abbild sozialer Wechselbeziehungen. |
| Autoimmunkrankheiten | Im Bannkreis des Anderen Autoaggression, Magersucht, Bulimie, verstorbener Zwilling, scheinbarer Eigenausdruck, Ausweich-Tendenz, usw. Pflanzen sind ortsansässig. Können sich aufgrund der sozialen Umstände nicht selbst leben. Innere Autonomie, keine soziale Autonomie. |
| Entzündungs- und degenerative Krankheiten | Mein Leben im Anderen Tiere sind beweglich und vertragen keinerlei Einengungen! Der ureigene Selbsterhaltungsdruck kann nach innen oder außen explodieren. Re-aktive Programme, wie Aggressionen usw. |
| Tumor-Krankheiten | Im Zweck des Anderen Es ist der Versuch den Zwiespalt von Ansprüchen und den widersetzlichen Bedingungen des sozialen Umfeldes mit einem Kompromiss zu lösen. Gebremste Dynamik. |
| Metabolisches Syndrom | Der Andere in mir Durch Äußerungen/Handlungen des Anderen sind wir auf diesen bezogen. Der innere Druck (Osmose) steigt und verschließt die Durchgänge, genau dort in unserem Körper, wie wir bezüglich zum Anderen sind. In den Durchgängen kommt es zu Stauungen und Rückstau. Chronische Erschöpfung und Stoffwechselstörungen sind der Preis dafür. |
Alphabet des sozialen Körpers
Krankheiten sind unzählbar aufgrund unzähliger Variationen in Symptomen, Körperkonstitutionen und -lokalisationen. So zählen zum rheumatischen Formenkreis mehr als 400 Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems. Bei Krebs, nach den Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache in Deutschland, sind gegenwärtig über 100 verschiedene Krebserkrankungen bekannt. Am häufigsten in Organen wie Lunge, Dickdarm, Brustdrüse (Frauen) und Prostata (Männer). Mit Hilfe der „Sozialen-Körper-Kategorisierung“ von Körper und Krankheit ist schnell ein Überblick über die soziale Interaktion im Umfeld des Klienten zu gewinnen, die die Ursache der Erkrankung darstellt.
Beispiel Prostata-Krebs:
Krebs gehört zur Krankheitskategorie Tumore und hat damit die soziale Überschrift „Im Zweck des Anderen“, hier im Zweck der weiblichen Ansprüche gegenüber dem Mann. Die Prostata, ein inneres Geschlechtsorgan des Mannes, steht im sozialen Kontext für Erfüllung finden, wie man ist und wo man ist, um Erfüllung auch geben zu können. Prostatakrebs ist demnach nicht in erster Linie Ausdruck eines zerstörerischen Zellwachstums, sondern Ausdruck einer zerstörerischen sozialen Interaktion zwischen dem männlichen Erfüllungsdrang und dem weiblichen Anspruch. Der Krebs in der Prostata ist somit „konsensueller Ausdruck“ einer widerwilligen Unterordnung und einem unterdrückten Unmut des Mannes gegenüber der Zweckmäßigkeit der weiblichen Ansprüche für die Familie.
Er fühlt sich in seiner männlichen Präsenz als „Erfüller“ der Familie unbeachtlich gegenüber seiner Frau. So ist zum Beispiel die hohe Erkrankungsrate von Krebs in der Prostata bei Partnerschaften auffällig, in denen die Frau das Vermögen besitzt und damit faktisch die Erfüllungsrolle übernommen hat, und sich der Ehemann in konsensueller Zweckmäßigkeit als „Statthalter des Vermögens seiner Frau“ unterordnet.
Der Soziale Körper von A bis Z
Krankheits-Symptome im Sinne der Kategorien des sozialen Körpers von A wie Allergie bis Z wie Zöliakie.
(Siehe Nachschlagewerk über die 50 häufigsten Krankheiten aus Sicht des sozialen Körpers.)



